Hommage an Otto Eder

„Arbeit am rauen Stein“

>skizziert interpretiert transformiert gebaut erzählt betanzt<
Eine künstlerische Annäherung an den mit geheimnisvollen Zeichen gestalteten Marmorsaal des Atelierhauses von Otto Eder

Idee war es diesen Raum 1:1 in den Außenbereich zu übertragen und seine ursprüngliche zweidimensionale Bodengestaltung über die dritte Dimension und eine Tanzperformance zu erweitern.

Neugierig von der dahinter liegenden Symbolik entwickelte sich eine intensive Auseinandersetzung mit der zugrundeliegenden Bedeutung der in den Boden eingebrachten Marmorplatten.

Die quadratische Symbolik mit Zirkel und Winkelmaß als Sinnbild für die „Arbeit am rauen Stein“ in diagonaler Ausrichtung zu einer schachtelförmigen Vertiefung im Boden, in der sich ein Schädel befunden haben soll, war ein elementarer künstlerische Ansatz in der Interpretation.

Man sagt, die „Arbeit am rauen Stein“ sei eine Voraussetzung um den „Tempel der Humanität“ zu errichten.

Der Legende nach wurde dieser Tempel, der von Meister Hiram für König Salomo erbaut wurde, von seinen drei geldgierigen Gesellen vorzeitig bedrängt, um von ihm das Meisterwort zu erfahren. Trotz Gewaltanwendung verriet ihnen der Meister dieses Wort nicht. Meister Hiram wurde daraufhin von seinen Gesellen umgebracht und an einem verlassenen Ort versenkt. Die Gesellen kennzeichneten das Grab mit einem Akazienzweig, dem Symbol des Geistes, der Seele des Lebens und der Unsterblichkeit.

Die geheimnisvolle Vertiefung, übertragen aus dem Marmorsaal, birgt symbolisch den Schädel des Meisters und dieser wird zurück in den Tempel der Weisheit gebracht. Der Tempel zeigt sich als quadratischer Kubus und gewinnt seine Bedeutung über den flächigen Zeichen von Zirkel und Winkelmaß. Die rechteckigen, geometrischen Darstellungen von Mann und Frau, als betonende Achse im Raum erfahren in ihrer räumlichen Umsetzung körperhafte Präsenz. Linear wirkende Metallkonstruktionen stellen Assoziationen zum schweren Marmorblock dar. Die textilen Installationen weisen in ihrer Stofflichkeit auf Organisch-Sinnliches hin, wobei die Unterscheidung des Weiblichen und Männlichen einerseits durch die Farbgebung, von hell und dunkel, andererseits in ihrer differenzierten Formensprache zum Ausdruck kommt.

Lisa Huber hat für das weibliche Element die Senkrechte betont und in den schichtenförmigen flächigen Ausrichtungen der Textilbahnen das Runde Aufnehmende und Weiche in Form von kreisförmigen Aussparungen rhythmisch aneinandergereiht. Die vielfältigen vom wechselnden Standpunkt aus immer variierenden Durchblicke sollen auf die Tiefgründigkeit der weiblichen Seele verweisen.

Ganz anders und im eindeutigen Kontrast dazu steht die männliche Interpretation von Nadja Brugger-Isopp. Sie nimmt Bezug auf die kubistisch anmutende Bodengestaltung Otto Eders. Spitz zulaufende Dreiecke werden von ihr in den imaginären Raum des Quaders übertragen und zeigen sich darin in dynamischen Linien, glatten und strukturierten Flächen, die wiederum einen eigenen Raum definieren. Auffällig dabei ist das Kantige, impulsiv Männliche, das so seine körperhafte Entsprechung erfährt.

Die Tänzerin Marina Koraiman gibt den beiden Objekten über ihren bewusst ausgerichteten körperlichen Ausdruck Lebendigkeit. Damit setzt sie die ursprüngliche Intention, die Flächigkeit ins Körperhafte zu transformieren um, und erhöht sie noch, indem sie dem Materiellen, sozusagen mit ihrem eigenen Körper, mit ihrem Leben, mit ihrer Bewegung „Seele einhaucht“.

Mit dem Band, das in der unendlichen Schleife der liegenden Acht das männliche und das weibliche Prinzip miteinander verbindet und seinen Kreuzungspunkt direkt über dem Symbol der Vereinigung beider Polaritäten bildet, schließt die von den Künstlern versuchte Interpretation des Werks von Otto Eder. (Text: Nadja Brugger-Isopp)

Rauminstallation/Choreographie: NADJA BRUGGER-ISOPP und LISA HUBER
Tanz: MARINA KORAIMAN
Kamera: KARIM KOSTA
Musik: Rudolf Jungwirth *1955
"L'ange“ (für NT)
Norbert Trawöger - Flöte
Hans Peter Hochhold - Schlagwerk
(Live in der Stiftskirche St. Florian, 11/2008)

47. Internationales Bildhauersymposion Krastal / A, 2014